Was bedeutet "Insolvenzverfahren"

Das neue Verjährungsrecht hat durch mehrere Reformen seit 2002 dazu geführt, dass es aus Sicht der Schuldner kaum noch Aussicht auf den Eintritt einer Verjährung gibt:

 

Jede Zwangsvollstreckung, jede freiwillige Zahlung, jede Ratenzahlungsvereinbarung führt zum Neubeginn der Verjährung. Dies betrifft nicht nur die 3-jährige Verjährung nicht titulierter Ansprüche. Es betrifft auch die 30-jährige Verjährungsfrist der titulierten Ansprüche selbst, so dass keinesfalls mehr gilt, dass nach 30 Jahren endgültig Schluss wäre, sondern im Grunde gar nicht mehr.

 

Die notwendigen Kosten der Zwangsvollstreckung verjähren seit 2004 selbst erst in 30 Jahren und lösen einen Neubeginn insoweit von selbst aus. Mithin bleibt außer den Zinsen so gut wie nichts, was noch nach 3 Jahren verjähren könnte, wenn ein Neubeginn nicht ausgelöst wird.

 

Wenn eine Einigung nicht zustande kommt, ist daher die Insolvenz das Einzige, was diese Grundsätze durchbricht, weil:

  1. Alle vor Eröffnung vorhandenen Ansprüche erlöschen, aber erst am Ende  durch die Restschuldbefreiung. Daher kommt auch erst dann eine vor Eröffnung ausgebrachte Kontopfändung zum Ende. 
  2. Kosten auslösende Vollstreckungsmaßnahmen sind ab Eröffnung nicht mehr zulässig und Zinsen stehen dem Gläubiger nur zu, soweit sie vor Eröffnung entstanden sind.

  3. Durch die Restschuldbefreiung werden alle Ansprüche erlassen, bzgl. derer die Restschuldbefreiung nicht versagt wird.

  4. Bzgl. versagter noch offener Ansprüche erhalten die Gläubiger einen neuen vollstreckbaren Anspruch aus der Insolvenztabelle, der alte Titel gilt trotzdem nicht mehr. Deren Anspruch wird dabei um zu erlassende Ansprüche bereinigt, z.B. werden die Kosten der Rechtsverfolgung auch bei Versagung bzgl. des Hauptanspruchs erlassen.

 

Der Nachteil einer Einigung: Ansprüche, die evtl. vergessen wurden, bleiben auch ohne Titel weiter bestehen. Durch die Insolvenz werden sie gelöscht, wenn sie nicht angemeldet wurden, solange sie nicht vorsätzlich verschwiegen wurden. Durch die Insolvenz werden dabei auch Ansprüche einbezogen, an die man gar nicht gedacht hat, wie z.B. interne Ausgleichsansprüche aus einer Partnerschaft, auch unter Ehegatten.

 

Wenn es um das sichere Gefühl geht, keine Schulden mehr haben zu müssen, bietet daher das Insolvenzverfahren deutlich mehr Rechtssicherheit. Diese Vorteile sind durchaus beachtlich, wenn man sie mit den Nachteilen des Insolvenzverfahrens abwägt. Viele fürchten eine noch negativere SCHUFA. Wenn aber das Rating erst einmal im Keller ist (schlimmstenfalls 5%) fragt niemand mehr, warum (Haftbefehl, Vermögensauskunft, Verbraucherinsolvenz).