Vereinsmanagement

Vorwort

 

An dieser Stelle erscheint jährlich der Jahresrückblick, mit welchem wir unsere Mandanten über Ziele und Ergebnisse unsere Arbeit unterrichten möchten.

 

 

I. Vereinsziele

 

„Ehrliches Lachen darf lachen“ (Ringelnatz)

 

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, wesentlich dazu beizutragen, dass es nicht dabei bleibt, wenn jemand dort ankommt, wo andere sagen: „Dem ist das Lachen vergangen!“ Finanzielle Probleme können behoben werden. Dabei lassen wir uns nicht abschrecken von Schubladen, in die Menschen in Not gerne gesteckt werden oder von ökonomischen und gesellschaftlichen Mechanismen wie Rationalisierungen, Ehe-, Banken- und Wirtschaftskrisen, Diskriminierungen, Sucht und Perspektivlosigkeit sowie Straftaten, die wirtschaftliche Not hervorrufen.

 

Wir verlangen von den Ratsuchenden lediglich, dass sie uns ein bisschen beim Rechnen helfen und eine gehörige Portion Mut. Man wird nicht ärmer, wenn man zugibt, arm zu sein. Viele wissen es sowieso schon. Gegenseitige Achtung, Wohlwollen und Verlässlichkeit erhalten jedoch einen anderen Stellenwert, wenn man sich zur Aufrichtigkeit entschließt. Wir brauchen sie, um mit den Gläubigern Vereinbarungen schließen zu können. Finanzielle Not ist kein Einzelproblem, die Zahl der Betroffenen steigt ständig und rasch, so dass es wichtig ist, eine kompetente und umfassende Versorgung zu gewährleisten.

 

 

II. Unser Verein

 

2.1 Vorstand

 

„Besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will“ (Willy Brandt)

 

Wir verstehen uns heute als lebendiger Organismus der Wohlfahrtspflege, der nur in der Gesamtheit seiner Organe funktionieren kann.

 

Es gilt, kooperativ Ziele zu definieren, Ideen aufzugreifen und in gemeinschaftlicher Arbeit an deren Umsetzung zu arbeiten. Dazu haben wir unsere Verantwortungsbereiche und Aufgaben geordnet und festgeschrieben.

 

Wir tragen dafür Sorge, unsere Professionalität weiter auszubauen, eine starke Bindung an den Verein zu erhalten, auf das Erkennen und den Einsatz von Ressourcen, das Treffen von Zielvereinbarungen, die Ermittlung eines Schulungsbedarfs und die Erhebung von Evaluationen hinzuwirken. 

 

An diesen Zielen will sich der Vorstand in jedem Geschäftsjahr messen lassen.

 

2.2 Qualitätssicherung

 

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen ist der gleiche wie zwischen einem Blitz und einem Glühwürmchen“ (Mark Twain)

 

Mit professionellen Organisationsstrukturen und Ausstattung möchten wir eine umfassenden Beratung, eine zeitnahe Bearbeitung und zügige Abwicklung der uns obliegenden Aufgaben gewährleisten. Umgekehrt soll die Rückkoppelung aus der eigentlichen Arbeit auf die Strukturen des Vereins gewährleistet werden, um dadurch stets Verbesserungen der Kundenbetreuung zu erhalten.

 

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf der Beratung zu Beginn der Arbeit, die in Verständlichkeit und Transparenz der einzelnen Schritte nichts zu wünschen übrig lässt und spätere Erklärungen weitgehend überflüssig machen soll. Neben schriftlichem Material sollen bereits in der Erstberatung alle auftretenden Fragen erörtert und geklärt werden. Dabei soll auch bereits am Anfang geklärt werden, ob ergänzende Hilfen anderer Einrichtungen erforderlich werden und die erforderlichen Stellen empfohlen und einbezogen werden. Es wird ein „Fahrplan“ für das Schuldenbereinigungsverfahren erstellt, auf Wunsch auch ein Fahrplan für die eigene Haushaltskasse.

 

Ziel ist es, bereits früh den Gesamtbedarf an Hilfen zu ermitteln, um möglichst zeitnah eine Gesamtlösung erreichen zu können, ohne die evtl. das Ziel unserer Aufgabe nicht erreichbar wäre. Eine hohe Effizienz kann nur erreicht werden, wenn man alles Nötige tut, um das Richtige zu erreichen.

 

Ein hohes Maß an Eloquenz und Empathie soll im Umgang mit den Gläubigern bewirken, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass neues Vertrauen entsteht, Verständnis geweckt, Akzeptanz bewirkt, Kooperation ermöglicht und letztlich die erforderlichen Vereinbarungen getroffen werden können. 

 

Seit 2012 sind wir Mitglied beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. Neben der Prüfung durch das Landesamt und der Steuerberhörde unterziehen wir uns auch gegenüber dem Paritätischen der Offenlegung unserer laufenden Geschäfte. Durch die Arbeitskreise  Schuldnerberatung und die enge Anbindung an weitere über 120 andere soziale Einrichtungen halten wir unsere Fachkenntnisse auf dem Laufenden und sichern die rasche Koordination von Hilfen im Bedarfsfall. Dabei halten wir uns an die für die soziale Schuldner- und Insolvenzberatung entwickelte Rahmenkonzeption der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege in Niedersachsen.

 

Seit Julli 2014 sind wir offzieller Vertragspartner der Region Hannover und können die soziale Schuldnerberatung nun auch auf Beratungsschein der JobCenter anbieten. 

 

2.3 Kundenbetreuung

 

Ausnahmsweise machen wir neben der Beratung im Verein auch Bank- und Hausbesuche, so dass auch diejenigen versorgt werden, bei denen der Gang in die Beratungsstelle oder die Besprechung mit der Bank eine nicht überwindbare Hemmschwelle darstellen oder andere Hinderungsgründe vorliegen.

 

Die Tätigkeit des Vereins ist für die Ratsuchenden kostenlos.

 

Ziel ist es, eine höhere Zahl von außergerichtlichen Einigungen zu erreichen, die ein Insolvenzverfahren erübrigen. Dabei haben wir aber stets vor Augen, keine langwierigen Vereinbarungen zu erzwingen, deren Einhaltung nicht möglich ist.

Leider verhalten sich viele Gläubiger nicht kooperativ und versuchen, aus der Situation, dass der Schuldner ein Interesse an der Abwendung eines Insolvenzverfahrens hat, Profit zu schlagen oder über unzulässig Druck aus.

 

2.4 Dienstleistungen

 

Wir beraten Lösungen im Bereich der Schuldenbereinigung, bieten die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten in Rechtsfragen an, führen die Korrespondenz und reden mit den Gläubigern zur Herbeiführung einer außergerichtlichen Lösung und, gelingt diese nicht, bereiten wir den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens vor oder nutzen vorab die Möglichkeit eines vom Gesetz noch angebotenen nochmaligen gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens. Daneben vermitteln wir erforderliche Hilfen, die andere soziale Einrichtungen anbieten und klären über deren Angebote auf.

 

Rechtlich werden wir selbst nur zur Klärung berechtiger Ansprüche tätig. In der Prüfung der Ansprüche von Inkassobeauftragten liegt ein beachtlicher Teil unserer Arbeit. Wie eine vom Ministerium (BJM) in Auftrag gegebene Untersuchung der Verbraucherschutzzentrale Anfang 2016 bestätigt hat, sind 53 % aller Ansprüche unberechtigt, das bedeutet, jeder zweite Aunspruch muss beanstandet werden!

 

Der Gesetzgeber hat den Schuldnerberatungsstellen in der Reform 2014 erlaubt, die Ratsuchenden auch vor dem Insolvenzgericht zu vertreten. Seit 3 Jahren verweigert das Land, hierfür auch eine angemessene Vergütung zu zahlen und in dem sicheren Wissen, dass die entsprechenden Hilfen doch von uns geleistet werden, beutet er die Schuldnerberater wie keine andere Berufsgruppe aus!

 

 2.5 Marketing

 

Wir sorgen für eine gute Präsenz im Internet und in den Medien und verteilen Flyer, die auch bei den anderen sozialen Einrichtungen und Verbänden, Behörden und Gerichten ausliegen, um über uns und unsere Tätigkeit zu informieren. Wir verstehen uns als Ergänzung zu den vergleichbaren kirchlichen Einrichtungen, sind ohne jeden Glaubenshintergrund religionsneutral und haben mit der Übersetzung unserer ersten Internetseite und wichtiger Informationen in 8 verschiedene Sprachen im Jahr 2011 wohl als erste soziale Schuldnerberatung konkret mit der Umsetzung von Integration begonnen, indem wir unsere Hilfen allen Menschen ungeachtet ihrer Herkunft, Hautfarbe, Sprache oder Religion zugänglich machen wollen.

 

Unsere Öffentlichkeitsarbeit wird ständig erweitert und angestrebt, die Akzeptanz unserer Arbeit zu fördern. Dabei ist es besonders wichtig, nicht mit Schuldnerberatungsstellen verwechselt zu werden, die Geld für ihre Leistungen verlangen oder hinter denen sich getarnte Finanzierungsvermittler verbergen, die Kredite anbieten, um durch Provisionen an den Schuldnern zu verdienen. Von unlauteren Schuldnerberatungen distanzieren wir uns ausdrücklich.

 

 

III. Erfolgsbilanz

 

Seit Ende 2015 zeichnet sich ein Rückgang der Zahl der Ratsuchenden ab. Bundesweit ging die Zahl der Insolvenzen seit 2010 um 27% zurück, in Niedersachen nur um 17,5%. Zurückgeführt wird dies auf die Verbesserung der Konjunktur. Die Menschen finden leichter wieder eine Beschäftigung, so dass Schulden abgetragen werden können. Da wir nach Fällen bezahlt werden, bemühen wir uns trotz Rückang der Einnahmen, den Qualitätsstandard zu wahren. 

 

Die Zusammenarbeit mit den vielen sozialen Einrichtungen (173 Ansprechpartner in 122 Einrichtungen) hat sich zum tragenden Bestandteil unserer sozialen Schuldnerberatung etabliert. Ein wachsendes Feld dabei bildet vor allem die Seniorenberatung aufgrund des absehbar stark steigenden Bedarfs im Zuge der Rentenentwicklung. Einen weiteren Schwerpunkt bilden auch sehr junge Menschen, die Opfer von Übervorteilungen wurden. Die Auffindbarkeit und Darstellung im Internet ist noch immer die örtlich derzeit wohl Beste im Netz. Die Seiten werden regelmäßig aktualisiert und sehr gut frequentiert.

 

Besonders stolz darauf sind wir, dass wir trotz unzureichender staatlicher Finanzierung unseren Ratsuchenden und trotz Bergen von Arbeit, immer noch weiter eine kostenfreie Unterstützung auch im gerichtlichen Insolvenzverfahren und kurzfristige Termine anbieten können.

 

Die Bearbeitungsdauer konnten wir für das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren bei unverändert 5-6 Wochen aufrecht erhalten, wenn der Ratsuchende gut mit uns zusammenarbeitet und keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten. Auch dies wollen wir in jedem Falle weiterhin beibehalten. Im Vergleich dazu benötigen andere Beratungsstellen im Schnitt 6 Monate.

 

Unsere Zusammenarbeit mit den Gerichten läuft ohne Probleme. 

 

 

IV. Schlusswort

 

„Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)

 

Alle, die unseren Stellenleiter in den vergangenen Jahren kennen lernten, konnten verfolgen, wie ein konsequent, überzeugend und auch mit Herz verfolgtes Engagement auch vom Erfolg belohnt wird. Unser Bestreben ist es unverändert, dies auch weiterhin umzusetzen.

 

Wir bauen auf Ressourcen und Selbstorganisationskräfte von Menschen, Bescheidenheit in den eigenen Wirklichkeitskonstruktionen und wünschen uns stets einen geschärften Blick für die gemeinsame Verwirklichung der gesetzten Ziele.

 

Ass. Frank Egermann, Stellenleiter und 1. Vorsitzender